Was haben Liverpool, Jürgen Klopp und Führungskräfte gemeinsam? - TRESCON

Was haben Liverpool, Jürgen Klopp und Führungskräfte gemeinsam?

Von Mag. Bertram Klinger | 06.06.2019
Kompetenzanalyse & Eignungsdiagnostik | Unternehmens-/ Personalentwicklung

Samstag, der 1. Juni um 22:58 – es ist vollbracht – Jürgen Klopp gewinnt sein erstes Endspiel nach 6 erfolglosen Anläufen in seiner Karriere und der FC Liverpool kürt sich in Madrid zum Champions League Sieger 2019. Erfolg durch TV- und Investorengelder, Zufall oder doch etwa aufgrund eines perfektionierten Managements? Eine genauere Betrachtung lässt diesen Titel unter einem ganz anderen Blickwinkel sehen!

Manager FC Liverpool

Wie auch in der Mai-Ausgabe 2019 des Manager Magazins näher durchleuchtet, zeigt das Beispiel FC Liverpool und Jürgen Klopp, wie Top-Management es möglich macht, ein Unternehmen (ich schreibe bewusst nicht einen Fußballclub) in die Spitzenklasse zu führen. Alles begann am 1. Oktober 2015. Jürgen Klopp reiste mit seinem Agenten nach New York, um dort im Büro der Kanzlei Shearman & Sterling seinen damals mit 11 Millionen Euro dotierten Jahresvertrag beim FC Liverpool ausverhandeln zu lassen. Die FSG (Fenway Sports Group) ist der Eigentümer des FC Liverpool – dahinter steht, wie bei so vielen anderen Fußballvereinen auch, ein Investor mit Leidenschaft zum Sport – Michael Gordon ist dessen CEO und höchst erfolgreicher Hedgefonds-Manager. Und seine Analyse des Kandidatenmarktes hat klar ergeben: Die Kompetenzen von Jürgen Klopp sind die besten, welche es zu diesem Zeitpunkt am Markt gab – die meisten Punkte und Erfolge als Trainer im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Budget ließen Mr. Gordon nicht lange zögern. „Es war klar, dass sich Jürgen als Fußballtrainer auf dem gleichen Niveau bewegt wie ein Unternehmenschef, wie ein Mann, dem man gern seine Firma anvertrauen würde“ war seine klare Aussage!

Die Herausforderung

Der Trainer-Job hat sich bis ins Jahr 2019 deutlich verändert. Als erfolgreicher Trainer ist man nicht mehr nur für die Mannschaft verantwortlich – man ist involviert in Stadionneubauten, das Sponsorenmanagement, die Ernährung und Regeneration der Spieler, den Aufbau der Jugendakademie und dessen dort gelehrten Spielstil oder auch z.B. in die Integration neuer digitaler Tools. Und am Ende des Tages geht es nicht nur um Erfolg oder Titel – nein, vor allem auch darum, den Wert des „Unternehmens Fußballclub“ zu steigern. Seit dem Amtsantritt von Jürgen Klopp hat sich der Wert des FC Liverpool um 98 % auf 1,9 Mrd. Euro erhöht und auch der Umsatz stieg um 31 % auf 514 Mio. €/Jahr – und somit ist der FCL bereits die Nr. 7 im weltweiten Fußball-Ranking. Und das alles noch vor dem 01.06.2019 – dem Tag, an dem Mr. Klopp seinen ersten persönlichen Titel und den ersten für den FC Liverpool seit 14 Jahre einfahren konnte!

Doch weshalb ist Jürgen Klopp anders? 

Seine Fähigkeit Menschen zu motivieren, Druck standzuhalten und sich selbst bestmöglich zu verkaufen, sind außergewöhnlich. Im Fußball benötigen Manager oft eine viel höhere psychische und physische Fitness als in der Privatwirtschaft – laufend steht man am Prüfstand und die Ergebnisse werden oft vom ersten Tag der Anstellung an und danach mehrmals wöchentlich gemessen und öffentlich bewertet. Und Jürgen Klopp hat dabei Erfolg. Der Eigentümer der Fenway Sports Group – Tom Werner – drückt seinen Dank wie folgt aus: „Klopps Verpflichtung war eine perfekte Heirat – wir können nicht angemessen ausdrücken, wie außergewöhnlich Jürgen für diesen Klub ist“.
Bereits in jungen Jahren legte Jürgen Klopp gemeinsam mit seinem Agenten Marc Kosicke den Grundstein für seinen Erfolg. Er war einer der ersten Trainer, die sich selbst von Beginn an vermarkteten – Sponsoring durch internationale Sportartikel eines jungen, noch unbekannten Trainers war damals nicht üblich. Führungsvorträge für das Management seiner Sponsoren waren der Benefit, welchen er dafür liefern konnte. Und es hat sich ausgezahlt – heute stehen die Sponsoren Schlange und CEO‘s und Vorstände der Top-Unternehmen wie Axa, Opel oder Warsteiner pilgern an die Anfield Road, um den Austausch mit ihm zu suchen. 

Kein Mikromanagement!

Um all das auch zeitlich unter einen Hut zu bringen, hat sich Jürgen Klopp ein perfektes Team zusammengestellt: Ernährungsexperten, Fitnessgurus, Taktikfüchse, Köche, Masseure und viele mehr. Für Top-Clubs vielleicht nicht außergewöhnlich. Jedoch hat es Klopp geschafft, nicht nur aus jenen 11 Spielern am Fußballplatz, sondern aus dem gesamten Angestelltenstab von über 80 Mitarbeitern/innen aus unzähligen Nationalitäten ein Team zu formen. Und er kennt sie alle persönlich, er behandelt sie alle gleich – die Reinigungskraft genauso wie Mohamed Salah – mit € 230.000,- wöchentlich (!) der bestbezahlteste Fußballer in seinen Reihen. Seine unprätentiöse Art und sein bodenständiger Auftritt tun sein weiteres. Sein Leitsatz lautet „Ich will, dass es den Menschen um mich herum gut geht und ich glaube, die größte Stärke von starken Persönlichkeiten ist es, sich mit Menschen zu umgeben, die in bestimmten Gebieten stärker sind als man selbst“. Auch das haben wir bereits oft gehört – nur lassen dies viele Manager nicht zu und ebenso wird es in vielen Unternehmen so nicht gelebt. 

Klopp, der Perfektionist

Mit den besten Mitarbeitern um sich ist es auch möglich, das beste Konzept aufzustellen. So werden zum Beispiel die Blutwerte der Spieler per App laufend gemessen. Damit diese auch bei nicht kontrollierter Ernährung zu Hause weiter top sind, erhalten alle Partnerinnen der Spieler individuelle Kochkurse. Jürgen Klopp war es auch 2005, der nur unter der Prämisse des Einsatzes einer neuen und modernen Taktik-Software seiner Expertenfunktion im ZDF für Spiele der Deutschen Nationalelf zugestimmt hat. Diese hat er aktiv mitentwickelt – der Deal dahinter: Kostenfreie Nutzung als erster Trainer in der Bundesliga – damals noch beim FC Mainz 05.  
Und auch an sich selbst arbeitet er laufend weiter. Sein Englisch hat sich bereits dank vielzähliger Lernstunden deutlich verbessert. Seine Zähne wurden gebleicht und optimiert und der Dichtheit seiner Haare verhalf er aktiv weiter – dazu steht er auch öffentlich – denn nichts lässt er in der Vermarktung seiner eigenen Person dem Zufall über – außer in seiner Kommunikation. Weggefährten erzählen immer wieder, dass seine Sager nicht einstudiert seien. “I am the normal one“ hatte er bei seiner ersten Pressekonferenz in England verkündet. 
Und am 1. Juni war es dann soweit: Nach all den wirtschaftlichen Erfolgen hat sich auch der sportliche eingestellt – der FC Liverpool ist die Nr. 1 im weltweiten Fußball – zumindest für das Jahr 2019! Doch hätte das ein „normal one“ wirklich geschafft?!

Bildquellen
bodrumsurf / Shutterstock.com

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