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Nie wieder scheitern – Umsetzungskompetenz durch Willenskraft

Gastautor Kurt Schwarzlmüller, C-Level Manager in der Industrie behandelt das wichtige Thema, wie man seine Umsetzungskompetenz durch Willenskraft steigern kann.

Nur durch die Umsetzung von Ideen und Vorhaben in die Tat entstehen Resultate und Ergebnisse. Doch allzu oft scheitern wir in unseren Vorhaben. In Studien zeigte sich, dass nur etwa 10% der Manager über ausreichende Umsetzungskompetenz verfügen. Wenig Energie und schwacher Fokus sind dabei wesentliche Faktoren, wieso wir in der Umsetzung scheitern. Für den Autor Kurt Schwarzlmüller hängt die Umsetzungskompetenz wesentlich mit der Willenskraft -auch Volition genannt – zusammen, die laut Pelz aus fünf Dimensionen besteht, die jeweils verbessert und trainiert werden können:

  • Aufmerksamkeitssteuerung und Fokussierung
  • Emotions- und Stimmungsmanagement
  • Selbstvertrauen und Durchsetzungs-stärke
  • Vorausschauende Planung und kreative Problemlösung
  • Zielbezogene Selbstdisziplin


Motivation allein reicht nicht

Auch der deutsche Alt-Kanzler Helmut Kohl kannte das Geheimnis des Erfolgs und beschrieb es mit den Worten: „Es kommt nur darauf an, was hinten rauskommt!“. Doch allzu oft bleiben die Ergebnisse von vielversprechenden Projekten aus. Es gibt viele gute Ideen, aber sie werden nicht realisiert. Warum verlaufen so viele strategische Ansätze von Unternehmen im Sand? Weshalb werden die Erwartungen nicht erfüllt? Die Planung ist meist sorgfältig, trotzdem bleibt der Erfolg aus. Viele Untersuchungen heben die Bedeutung von Motivation für die Leistung von Unternehmen hervor. Doch selbst Hochmotivierte können an ihren Wünschen und Zielen versagen.

Selbstmotivation und Willensstärke werden oft gleichgesetzt. Das ist verständlich, denn stark motivierten Menschen gelingt es auffällig häufig, willensstarke Entscheidungen zu treffen. Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen Motivation und Willensstärke. Motiviert zu sein bedeutet zunächst „nur“, ein Motiv zu haben, einen Grund, der in Bewegung setzt. Klar ist, je attraktiver der Grund beziehungsweise das Ziel, desto mehr Energie wird freigesetzt und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, in die Gänge zu kommen. Das bedeutet aber noch nicht, dass tatsächlich gestartet wird. Dafür benötigt es eine bewusste Entscheidung - und das ist eine Willenskraft-Entscheidung. Motivation und Willensstärke sind also nicht identisch, spielen aber im Idealfall wunderbar zusammen.

 

Umsetzungskompetenz als kritischer Erfolgsfaktor

Studien zeigen, dass die Umsetzung das wesentliche Problem darstellt. Die Managementpraxis beurteilt die Umsetzungskompetenz als zentralen und kritischen Erfolgsfaktor und stellt gleichzeitig fest, dass diese bei den Mitarbeitern die am schwächsten ausgeprägte unternehmerische Schlüsselqualifikation ist. Die Umsetzung ist das große offene Thema in der modernen Welt der Wirtschaft. Ihr Fehlen ist das wesentliche Erfolgshindernis und der Grund für die meisten Enttäuschungen, die irrtümlicherweise anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Wie bereits beschrieben ist schlussendlich der Wille die treibende Kraft, um eine Absicht oder Idee in die Tat umzusetzen. Bei unseren Vorfahren war das zunächst die Absicht zu überleben. Dafür wurde Energie bzw. Willenskraft eingesetzt. Doch, Anstrengung und Risiko wurden weitgehend vermieden. Denn Anstrengung kostet Kraft und Energie und Risiko bedeutet Unsicherheit und Gefahr. Das evolutionsbiologische Programm, Anstrengung und Risiko zu vermeiden, hat somit in der menschlichen Entwicklung wesentlich zum Überleben beigetragen. Das heißt, um Vorhaben umzusetzen, müssen wir uns anstrengen und willentlich dafür entscheiden. Doch die Willenskraft ist endlich.

Folglich bedeutet das, dass unsere Ziele, Ideen und guten Vorsätze um die begrenzten Ressourcen konkurrieren. Daher müssen wir uns überlegen und entscheiden, für welche Vorhaben wir diese Ressource (Willenskraft) einsetzen. Für alle Vorhaben reicht die Ressource der Willenskraft nicht aus. Versuchen wir, unsere Ressource der Willenskraft nach dem Gießkannenprinzip beziehungsweise unkoordiniert auf zu viele Ziele zu verteilen, wird die Energie für die einzelnen Vorhaben zu schwach sein. Dann werden wir nicht ins Handeln kommen und erreichen gar keine Ziele, obwohl wir überaus motiviert waren.

 

Stärkung unserer persönlichen Umsetzungskompetenz und Willenskraft

Umsetzungskompetenz hat mit der Fähigkeit, Dinge zu verwirklichen, zu tun. Dazu wird die begrenzte Ressource Willenskraft benötigt. Doch Willenskraft kann durch das tägliche Anwenden von bewussten Verhaltensgrundsätzen einerseits gestärkt und anderseits gezielt geschont werden. Der Autor befasst sich insbesondere mit den Aspekten „Fokussierung“ und „zielbezogene Selbstdisziplin“, wobei er letzteren mit „Die Macht von Routinen“ ergänzt. Nach Meinung von Schwarzlmüller bilden diese Faktoren eine gute Basis für die Stärkung der persönlichen Umsetzungskompetenz bzw. Willenskraft.

Fokussierung:

Eine Aufgabe von Führungskräften besteht darin, Aufmerksamkeit zielgerichtet einzusetzen. Sehr gute Führungskräfte schaffen es, auf eine große Vielfalt unterschiedlicher Aufmerksamkeitsmodi zurückzugreifen und können sich je nach Situation auf sich, ihr Gegenüber oder auf das große Ganze fokussieren, Ablenkungen ausschalten und das Ziel verfolgen. Folgend einige Beispiele, um fokussiert zu bleiben:

  • Aufgaben abschließen, bevor mit einer neuen Aufgabe gestartet wird.
  • Vermeiden von Störungen. E-Mails in größeren Abständen abrufen, Mail-Pop-up abstellen, Sprechzeiten einrichten, Telefon umstellen …
  • Im Kalender Zeitfenster reservieren, in denen ruhig gearbeitet werden kann.
  • Die Woche gut planen.

Zielbezogene Selbstdisziplin und Routinen:

Zielbezogene Selbstdisziplin ist die Fähigkeit, Visionen zu verwirklichen und diese umzusetzen. Disziplin ist eng mit Willenskraft verbunden und heißt, den Preis dafür zu zahlen, seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Die ersten beiden Schritte in Richtung Selbstdisziplin sind, sich ein Ziel vorzunehmen und das Verhalten zu überwachen. Dabei sollte das Ziel motivierend sein. Die Überwachung ist wichtig, damit sie ständig korrigiert werden kann und eine Selbstüberwachung stattfindet. Für die Aufbringung der Disziplin ist wiederrum die Willenskraft notwendig.

Der Schlüssel für dauerhafte Selbstdisziplin liegt in den Gewohnheiten beziehungsweise in Routinen. Gewohnheiten, die uns positiv beeinflussen und regelmäßig wiederholt werden, werden zu Routinen. Routinen werden mit der Zeit automatische mentale Prozesse, die kaum Energie benötigen und somit keine Willenskraft mehr erfordern und uns somit wieder Ressourcen für neue Vorhaben geben. So automatisieren Sie Gewohnheiten:

  • Nur auf eine einzige Gewohnheit konzentrieren.
  • Es dauert ca. 21 bis 28 Tage, bis sich das neue Verhalten vertraut anfühlt, wenn es täglich trainiert wird.
  • Wenn die neue Gewohnheit noch nicht etabliert ist, dann ist es besser, noch nicht die nächste anzugehen. Pro Jahr können nur 12 bis 15 neue Gewohnheiten aufgebaut werden.

 

Auswirkungen von „Aufschieberitis“

Unser Gehirn funktioniert wie ein riesiges Schubladensystem. Eine offene Aufgabe oder nicht erledigte Tätigkeit entspricht einer offenen Schublade. Je mehr Schubladen offenstehen, umso weniger können wir uns auf die Arbeit konzentrieren. Denn jede offene Aufgabe bleibt im Unterbewusstsein vorhanden. Dazu kommt, dass eine offene Aufgabe mit der Zeit das Selbstwertgefühl schwächt. Es macht sich das Gefühl breit, dass man nichts schafft. Wer aufschiebt, untergräbt somit das Vertrauen in sich selbst, leidet an Selbstzweifel und hält sich schließlich für unzuverlässig. Darüber hinaus erhöht das Aufschieben den Arbeitsaufwand enorm. Wird ein kleines Problem nicht rasch gelöst, kann es zu einem größeren Problem werden. Das Aufschieben von Aufgaben kann grundsätzlich mit einer guten Selbstorganisation, Zeitmanagement, Routinen und Gewohnheiten verbessert beziehungsweise verhindert werden.

 

Fazit von Kurt Schwarzlmüller

Die Umsetzungskompetenz ist eine wesentliche Fähigkeit, denn nur durch Umsetzung entstehen Resultate. Studien zeigen, dass Willenskraft die Basis für die Umsetzungskompetenz ist und diese ist ausbaufähig. Mit ausreichenden Hintergrundwissen und den richtigen Methoden kann diese auch gesteigert werden. Fokussierung, Selbstdisziplin und Routinen spielen dabei einen entscheidenden Faktor. Aus der Sicht und den persönlichen Erfahrungen des Autors entscheiden die Faktoren Fokussierung aufs Wesentliche, Disziplin und Routinen auch in Organisationen über Umsetzungsstärke oder – schwäche.

Der gesamte Beitrag​​​​​​​ von Kurt Schwarzlmüller zum Thema „Wie steigere ich meine Umsetzungskompetenz? Die Willenskraft als ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“ kann in der Austrian Management Review Vol. 10/2020 nachgelesen werden.

 

Zum Autor:

Mag. (FH) Kurt Schwarzlmüller MA, MBA ist langjähriger Geschäftsführer in der Industrie. Er hat eine Lehre als Prozessleittechniker und Studien in eBusiness, in Supply Chain Management und einen MBA in Business Law absolviert. Seine Interessen fokussieren stark auf die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis, mit dem Ziel, seine Organisation laufend weiterzuentwickeln. Seine langjährigen praktischen Erfahrungen als C-Level Manager überprüft bzw. untermauert er dazu regelmäßig mit fundierten wissenschaftlichen Ausbildungen und Selbststudium.

Bildquellen
Shutterstock

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