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Employability durch lebensphasenbezogene Arbeitsgestaltung

Recruiting Trends & Coole Tools | Veranstaltungen / Personal intensiv

Am 23.04.2015 setzten sich Personalverantwortliche aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen mit dem in Zukunft immer wichtiger werdenden Thema "Employability durch lebensphasenbezogene Arbeitsgestaltung" bei TRESCON auseinander.

Für seine Einführung ins Thema verwendete Dr. Bernhard Winkler, MBA von TRESCON das "Haus der Arbeitsfähigkeit", das sehr gut die verschiedenen Elemente von "Life Balance" visualisiert; anhand der vier Stockwerke Gesundheit, Kompetenz, Werte und Arbeit verwies Bernhard Winkler auf die wesentlichen Herausforderungen für Unternehmen: Flexibilisierung der Arbeit sowohl was Inhalte als auch zeitliche Spielräume sowie die Gestaltung der Arbeitsplätze und der Arbeitsorganisation betrifft; der demografische Wandel und damit einhergehend die Veränderungen bei Werten, Einstellungen und Motivation; lebenslanges Lernen als Dauerbrenner zur Erhaltung der Kompetenz und der Fähigkeit, neue Schlüsselqualifikationen zu erwerben; Gesundheit als Synonym für physische und psychische Vitalität mit den Aspekten der Eigenverantwortung sowie der Verantwortung des Unternehmens zur Erhaltung und Förderung dieser Vitalität.

In diesem Kontext sei besonders die Generation 45+ gefordert, die in einem Artikel im Standard vom 13l./14. Dezember 2014 als „Sandwich-Generation“ zwischen Beschleunigungswahn und Abstellgleis bezeichnet wird.

Dipl.Soz.Pädagoge (FH) Ernst Winter vom Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik an der JKU Linz gab anhand eindrucksvoller Zahlen einen Zugang zur Dynamik und Herausforderung des demografischen Wandels; interessante Blitzlichter waren, dass sich die oberösterreichische Bevölkerung von 1869 bzw. 2013 nur knapp verdoppelt hat, während in Europa, aber besonders weltweit die Wachstumszahlen deutlich höher waren; das durchschnittliche Alter in Oberösterreich liegt derzeit bei 41 Jahren, was relativ hoch ist; der vor zehn Jahren prognostizierte Arbeitskräftemangel ist nicht eingetreten - Grund dafür ist die Dynamik der Zuwanderung von Personen innerhalb und außerhalb der EU ("Wo Arbeitsangebot entsteht, steigt die Zuwanderung"); aus Sicht von Ernst Winter werden die Qualifikationen der in den nächsten Jahren in Pension gehenden "Babyboomer" schwer nachzubesetzen sein, insbesondere im technischen Bereich. Daher ist eine bedarfsorientierte Ausbildung nach Schlüsselqualifikationen unbedingt erforderlich, wobei Österreich hier noch nachhinkt; bei der Frage nach der Zuwanderung der richtigen Qualifikationen ist unter anderem das Willkommens-Gefühl ein wichtiges Thema, auch hier sieht Ernst Winter noch deutliches Potenzial in Österreich nach oben; Akademiker/innen üben zunehmend Tätigkeiten aus, die keine akademische Qualifikation benötigen würden, da es u.a. aufgrund nicht-technischer Studienabschlüsse zu wenige adäquate Jobs für sehr gut qualifizierte Frauen gibt.

Wolfgang Feichtenschlager konzentrierte sich auf das Kernthema dieser Veranstaltung und machte transparent, warum lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung (LOA) so wichtig ist: Aufgrund demografischer Entwicklungen und des veränderten Personalbedarfs, technologischer Entwicklungen, Qualifikationen und Wettbewerb, unqualifizierte Menschen, Innovationsdruck, zunehmende Feminisierung der Arbeitswelt, wirtschaftlicher Druck und nicht zuletzt aufgrund der Sinnfrage, wie ich mein Leben leben möchte.

Wesentliche Themen der lebensphasenorientierten Arbeitsgestaltung drehen sich um Arbeitsplatzgestaltung, Personalstrukturen und deren Analyse, Employer Branding, Unternehmenskultur und Führung, lebensphasenorientierte Beschäftigungsmodelle, Gesundheitsförderung und Personalentwicklung. Wolfgang Feichtenschlager war der Meinung, dass bei allen Projekten und Aktivitäten darauf geachtet werden sollte, "den Ball flach zu halten" - Projekte sollten nicht aufgeblasen werden, dafür konsequent und nachhaltig umgesetzt werden.

Ein zusätzlicher Hinweis war, im Wissensbereich nicht nur auf das Know-how, sondern auch auf das Do-how (auf Fertigkeiten und deren Weitergabe) zu achten.

Prinzipien der LOA-Personalpolitik sind Ganzheitlichkeit, Integration, Ethik, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Den Abschluss dieser spannenden drei Stunden bildete Hofrat Dr. Martin Rupprecht, Personaldirektor der Oö. Gesundheits- und Spitals AG (gespag); er präsentierte ein Praxisprojekt der gespag, das am LKH Rohrbach für die gesamte Gruppe durchgeführt wird; von der Idee her geht es darum, sowohl Nutzen für die Mitarbeiter/innen als auch für das Unternehmen zu stiften; Spezialthemen in diesem Pilotprojekt sind Arbeitszeitthemen, vor allem im Bereich der Pflege; ein offener Dialog, um mit Konflikten als wesentlicher Faktor für psychische Gesundheit besser umgehen zu können; Gesundheitsförderungsprogramme im Sinne von Verhaltensorientierung; die Vereinbarkeit von Beruf und Familie; Personalentwicklungsmaßnahmen mit Spezialausprägungen wie das Coaching "Begleitung in der Lebensmitte".

Martin Rupprecht sieht es als entscheidend an, dass Lebensphasenorientierung inzwischen auch in der gespag-Strategie grundsätzlich verankert ist - so findet sich dies sowohl im Leitbild der gespag als auch in den Leitbildern der Krankenhäuser. Besonders geachtet wird im gesamten Projekt auf die Kommunikation und Information sowohl intern wie extern.

Resümierend kann festgehalten werden, dass durch lebensphasenbezogene Arbeitsgestaltung in den verschiedenen Ausprägungen die Chance auf die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit (Employability) von Menschen - gerade in einer sich sehr dynamisch und rasch ändernden Arbeitswelt - deutlich erhöht wird!

Bildquellen
TRESCON

Wolfgang Feichtenschlager machte transparent, warum lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung (LOA) so wichtig ist.

Dipl.Soz.Pädagoge (FH) Ernst Winter gab anhand eindrucksvoller Zahlen einen Zugang zur Dynamik und Herausforderung des demografischen Wandels.

Hofrat Dr. Martin Rupprecht, Personaldirektor der Oö. Gesundheits- und Spitals AG präsentierte ein Praxisprojekt der gespag.

(v.l.n.r.: Wolfgang Feichtenschlager / OPO, Dipl.Soz.Pädagoge (FH) Ernst Winter / Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik an der JKU Linz, Hofrat Dr. Martin Rupprecht / gespag, Dr. Bernhard Winkler, MBA / TRESCON)

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