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14.03.2022

Technologieakzeptanz - Wann wir zur Technologie als Anwender JA sagen

Lesedauer: 4:15 min

Jeden Tag begegnen uns bei der Arbeit Technologien in Form neuer technischer Tools. Doch wovon hängt es ab, ob wir diese nutzen wollen?

Ob Virtual Reality Anwendungen, Exoskelette, Datenbrillen, moderne Hebehilfen oder einfach ein ausgeklügeltes System zur Wissensdokumentation, zur Unterstützung von Mitarbeiter am Arbeitsplatz findet sich mittlerweile so einiges – und das für ganz unterschiedliche Einsatzbereiche. Vor allem Unternehmen, die innovativ und vorne mit dabei sein wollen, loten für sich häufig die Potenziale neuer Technologien und ihrer spezifischen technischen Anwendungsformen aus und entscheiden sich mitunter für die betriebliche Anschaffung und Implementierung. So vielversprechend diese aber auf den ersten Blick auch sein mögen, beim Aufeinandertreffen mit ihren Anwender finden sie nicht immer den erwarteten Anklang. Es kann passieren, dass sie sprichwörtlich in der Ecke liegen bleiben oder wenn, dann nur mit Widerwillen oder unter Zwang genutzt werden. Doch woran liegt es, dass Menschen manche technischen Neuheiten besser annehmen und in ihren Arbeitsalltag integrieren als andere? Technologieakzeptanz lautet das Schlüsselwort.

Der Einfluss der Akzeptanz und ihrer Treiber

Technologieakzeptanz beschreibt die grundsätzliche Bereitschaft einer Person, eine Technologie – sei es in Form physischer Hardware oder immaterieller Software – im Rahmen der eigenen Arbeitstätigkeit freiwillig einzusetzen. Beispielsweise wird von einem Mitarbeiter beabsichtigt, ein unternehmensinternes Wiki zur transparenten Ablaufdokumentation heranzuziehen. Diese Nutzungsabsicht stellt in vielen Fällen die Ausgangsbasis für die tatsächliche Verwendung der Technologie dar und beeinflusst damit das menschliche Nutzungsverhalten. Die Akzeptanz der Technologie durch den Mitarbeiter wäre im erwähnten Beispiel also Voraussetzung dafür, dass die Dokumentation final im Wiki landet. Freilich steht das Wiki hier nur als Synonym für verschiedene Technologien, die uns in Gestalt unterschiedlichster technischer Hilfen am Arbeitsplatz begegnen können. Die Gründe, warum Menschen diese nutzen wollen oder abwehrend darauf reagieren, sind oft aber ganz ähnliche. Der individuell wahrgenommene Nutzen und die empfundene Einfachheit der Nutzung stellen hierbei zwei wesentliche Einflussfaktoren dar.

Nutzen und Mehrwert

Häufig ist der Nutzen einer technischen Neuheit mit einer Steigerung der persönlichen Arbeitsleistung assoziiert. Das heißt, dass für uns als Anwender Bestehendes dadurch besser, einfacher oder schneller wird. Ebenso kann eine Erweiterung des bisher zugänglichen Leistungsspektrums (z.B. Erschließung neuer Funktionalitäten) einen wahrnehmbaren Nutzen bringen. Die individuelle Bewertung des Nutzens ist aber auch davon abhängig, wie wir Vorteile gegenüber allfälligen Nachteilen wahrnehmen. Könnten etwa zusätzliche Leistungsfeatures einen kleinen Abfall der Leistungsgeschwindigkeit aufwiegen? Die Antworten können hier in Folge arbeitsplatzspezifischer Merkmale und unterschiedlicher Bedürfnisse durchaus auseinandergehen. In jedem Fall ist aber essentiell, dass Anwender für sich und ihre Arbeitstätigkeit einen Sinn in der Technologienutzung erkennen, speziell, wenn Positiveffekte erst mit Verzögerung spürbar werden. Liefert ein System greifbare Ergebnisse, die wir unserem sozialen Umfeld kommunizieren können, trägt dies ebenfalls zur wahrgenommenen Nützlichkeit bei.

Die Einfachheit der Nutzung

Ist die Anwendung eines technischen Tools klar und leicht verständlich, ein System intuitiv und ohne viel Vorkenntnisse bedienbar, empfinden wir es häufig als „einfach“. Eine komplizierte Steuerung würde User im Gegensatz dazu mental stärker beanspruchen. Es steigt also der subjektive Aufwand, den die Nutzung der Technologie mit sich bringt. Der wahrgenommene Aufwand muss sich nicht zwingendermaßen auf die Denkprozesse und Aufmerksamkeit einer Person beschränken. Die emotionale oder Verhaltensebene können ebenfalls gefordert sein, etwa wenn zusätzliche Verantwortung durch Anwender übernommen werden muss. Einfache Nutzung oder gute Bedienbarkeit beinhalten folglich, dass der Einsatz technischer Systeme und Anwendungen für einen Menschen frei von zusätzlichem Aufwand ist. Dadurch tragen sie wesentlich zur Technologieakzeptanz seitens der Nutzer bei.

Wenn die Erfahrung fehlt

Vor allem, wenn keine Vorerfahrung im Umgang mit einer Technologie besteht, kommen noch weitere Aspekte ins Spiel. Nicht selten ist es der Eingriff in bestehende Arbeitsroutinen, die Veränderung per se, die uns in eine Abwehrhaltung versetzt. Neues geht immer auch mit Unsicherheit einher. Das kann ein Gefühl von Angst oder mangelnder Kontrolle auslösen und unserer Nutzungsbereitschaft entgegenstehen. Externe Unterstützung – zum Beispiel mittels Hilfestellung durch Führungskräfte oder bereitgestellte zeitliche Ressourcen – erleichtert dagegen das Einfinden in neue technische Systeme und Anwendungen. Ebenso kommt es darauf an, wie sehr wir unseren eigenen Fähigkeiten vertrauen und uns als Individuum in der Lage sehen, die neue Situation am Arbeitsplatz erfolgreich zu bewältigen.

Abseits zweckorientierter Aspekte spielen die Freude an der Nutzung wie auch soziale Einflüsse für das Zustandekommen einer Verwendungsabsicht eine Rolle. Als soziale Wesen ist vielen Menschen wichtig, was andere von einer Technologie bzw. ihren technischen Anwendungsformen halten oder wie das soziale Umfeld auf sie als Nutzer reagiert. Erfahren sie Ausgrenzung oder Einbindung, Stigmatisierung oder Anerkennung, soziale Provokation oder Unterstützung? Die gelebte soziale Norm nimmt somit Einfluss auf die individuelle Nutzungsbereitschaft, gerade wenn es sich um technologische Neuheiten handelt.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Bereitschaft von Mitarbeiter zur Annahme einer Technologie auf einer Reihe unterschiedlicher Faktoren fußt. Unter Bedachtnahme (1) auf den jeweiligen beruflichen Anwendungskontext, (2) die Zielgruppe der Anwender und (3) technologische bzw. technische Besonderheiten lassen sich daraus erste praktische Ansatzpunkte ableiten. Dies gilt sowohl für die Analyse von bestehenden Akzeptanzproblemen in Unternehmen als auch für die Entwicklung akzeptanzsteigernder Maßnahmen.

Wichtig ist, dass Anwender für sich und ihre Arbeitstätigkeit einen Sinn in der Technologienutzung erkennen. 
(Sandra Maria Siedl, BA MA)

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Sandra Maria Siedl, BA MA

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

 

LIT Robopsychology Lab

Johannes Kepler Universität Linz

A-4040 Linz, Altenberger Straße 69                                                                                                                                     

Bildquellen
Shutterstock, Johannes Kepler Universität Linz

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