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07.03.2022

Mehr Finanzbildung für (weibliche) Lehrlinge

Lesedauer: 3:55 min

Schon früh sein eigenes Geld verdienen: Das ist einer der zahlreichen positiven Aspekte einer Lehre für junge Menschen. Doch die Kenntnisse zum sinnvollen Umgang mit Geld fehlen leider oftmals.

Um den Vorteil des eigenen Geldes auch mit Blick auf die eigene Finanzsituation und die eigene Zukunft optimal nutzen zu können, bedarf es an Wissen über Wirtschaft und Finanzen und den richtigen beziehungsweise sinnvollen Umgang mit Geld und mögliche Investitionen. Diese Kenntnisse sind bei vielen - insbesondere bei weiblichen - Lehrlingen oftmals deutlich ausbaufähig oder fehlen sogar vollständig.


Wer sein eigenes Geld verdient, kann sich - ein verantwortungsvoller Umgang damit vorausgesetzt - materielle Wünsche und so manchen Traum erfüllen, aber auch Schritt für Schritt finanzielle Sicherheit und Stabilität für sein/ihr späteres Leben aufbauen. Doch wer sein eigenes Geld verdient, weiß trotzdem nicht automatisch (zumindest nur sehr selten), wie er/sie damit richtig haushalten kann und soll. Ein Übermaß an geschickten Werbungen animiert dazu, das hart verdiente Geld für Dinge auszugeben, die man eigentlich nicht braucht oder nicht einmal wirklich will. Noch schlimmer ist es, wenn man dazu verführt wird, Geld auszugeben, das man de facto nicht hat.

Mangelnde Finanzbildung – wessen Schuld?

Eine mangelhafte Finanzbildung macht sich bei Jugendlichen in Form von wenig durchdachtem Konsumverhalten und risikobehafteten Entscheidungen, das eigene Geld zu investieren, bemerkbar. So kann es passieren, dass man schon in jungen Jahren in eine Schuldenfalle gerät, aus der man nur schwer wieder herauskommt. Seit 2015 steigt die Jugendverschuldung in Österreich stetig an, immer mehr Jugendliche unter 25 Jahren müssen eine Schuldenberatung in Anspruch nehmen. Ein sinnvoller Umgang mit Geld sowie Kenntnisse über das Funktionieren der Wirtschaft sind essenzielle Kompetenzen für die Selbstständigkeit. Vonseiten der Eltern, aber ganz besonders im Bildungsbereich wird eine fundierte Wissensvermittlung in diesen Dingen aber regelmäßig vernachlässigt. 

Ganz besonders für Lehrlinge wären Wirtschafts- und Finanzbildung eine besonders wichtige Angelegenheit. Denn sie haben schon in jungen Jahren ein regelmäßiges Einkommen und müssen lernen, mit ihrem eigenen Geld richtig hauszuhalten. Dies ist vor allem für den Zeitpunkt wichtig und notwendig, ab dem sie nicht mehr zuhause wohnen und ihre Lebenserhaltungskosten selbst tragen müssen. Und nicht nur für die Lehrlinge selbst, auch für Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, stellen junge Menschen, die wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und Unternehmergeist beweisen, zweifellos einen Mehrwert dar. 

Es scheint nicht daran zu liegen, dass junge Menschen kein Interesse an diesen Bereichen haben. Laut einigen Studien fühlt sich zumindest die Hälfte der Jugendlichen nicht ausreichend informiert und fordert selbst, dass diesem Thema schon in der Schule mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eine ibw-Studie im Jahr 2019 erachtete die „gegenwärtige Ausgestaltung des Wirtschaftsunterrichts“ als nicht ausreichend, um „grundlegende Wirtschaftskompetenz zu vermitteln und zur erfolgreichen Bewältigung wirtschaftlicher Lebenssituationen zu befähigen“.  Zudem zeigte auch eine Studie der AK Tirol in den Jahren 2017 bis 2019 auf, dass bei 14- bis 17-Jährigen hinsichtlich ihrer finanziellen Grundbildung großer Aufholbedarf besteht.

Warum können Burschen besser mit ihrem Geld haushalten als Mädchen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt fiel außerdem auf: Burschen schnitten bei der Studie deutlich besser ab als Mädchen. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass der Wirtschafts- und Finanzbereich auch heute noch sehr häufig männlich dominiert ist. Die Frage nach dem Warum ist jedoch (nach dem „Henne-oder-Ei-Prinzip“) kaum zu beantworten: Ist dies der Fall, weil viele Mädchen sich nicht wirklich für Wirtschaft und Finanzen interessieren? Oder ist es eine Folge davon, dass der Fokus in diesen Bereichen einfach noch immer stärker auf ihre männlichen Altersgenossen gelegt wird (und vielleicht schon zuhause seltener mit Töchtern als mit Söhnen über Geld und Finanzen diskutiert wird)?
Liegt es daran, dass Mädchen vermittelt wird, dass Wirtschaft und Finanzen eher „Männersache“ sind und sie sich aufgrund der fehlenden (Basis-)Kenntnisse erst gar nicht zutrauen, sich damit auseinanderzusetzen? Diese Frage sei vorerst einmal dahingestellt. Denn auch wenn sich Mädchen aktuell tatsächlich weniger für diese Themen interessieren, kann ihr Interesse mit großer Wahrscheinlichkeit durch vermehrte Bildungsangebote geweckt werden.

Somit ist es nicht nur von entscheidender Bedeutung, Lehrlingen während der Lehrlingsausbildung spezifische Angebote zur Vermittlung von Wissen über Wirtschaft und Finanzen bereitzustellen, sondern dabei ganz besonders einen Fokus auf weibliche Lehrlinge und die Stärkung ihrer Kompetenzen in diesen Bereichen zu legen. Auch Eltern sollten verstärkt mit ihren Kindern über Geldangelegenheiten sprechen, mit ihren Söhnen und vor allem ihren Töchtern.

Dadurch schließt sich der (Wirtschafts-)Kreis: Junge Menschen, die verantwortungsvoll mit Finanzen umgehen können, sind weitaus besser in der Lage, als verantwortungsvolle Mitarbeiter in Unternehmen und Teilnehmer unserer Wirtschaft zu handeln und können gleichzeitig die Vorteile unserer Wirtschaft besser nutzen.

Foto: Mario Derntl, BA, MBA, z.l.ö. zukunft lehre österreich​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

Mario Derntl, BA, MBA

Geschäftsführer

 

​​​​​z.l.ö. - zukunft.lehre.österreich

Johannes Kepler Universität Linz

A-4040 Linz, Altenberger Straße 69                                                                                                                                     

Bildquellen
Shutterstock, z.l.ö.

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