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29.03.2022

Kommunale Quereinsteiger – win-win für beide Seiten

Lesedauer: 6:00 min

Quereinsteiger sind eine Chance für den öffentlichen Dienst (und keine 2. Wahl) – sofern man das begreift und dementsprechend agiert und handelt.

Der Mangel an qualifiziertem Personal betrifft mittlerweile alle Branchen – auch und ganz besonders Gemeinden und Städte. In den letzten Wochen gab es in den Medien zahlreiche Berichte über Gemeinden und deren Schwierigkeiten, gutes Personal zu finden. Ganz allgemein kann man sagen: Ein Umdenken muss stattfinden – weg vom passiven, reaktiven, hin zum vorausschauenden, aktiven Recruiting. Kommunale Personalsuche und -auswahl muss so gestaltet sein, dass möglichst viele qualifizierte Personen auf Jobangebote aufmerksam und dafür interessiert werden können – ob aus dem kommunalen Umfeld oder aus der Privatwirtschaft. Quereinsteiger, die einen beruflichen Neuanfang wagen und sich für den öffentlichen Dienst interessieren, bringen ein hohes Maß an Motivation mit. Sie sind wissbegierig, neugierig und tragen zur Diversität innerhalb eines Teams oder einer Abteilung bei. Gemeinden und Städte können von der Erfahrung und dem branchenfremden Wissen des/der neuen Mitarbeiters/in profitieren.

Wir haben uns mit dem Amtsleiter der Stadtgemeinde Bad Leonfelden​​​​​​​, Mag. Simon Mostler, zu diesem Thema unterhalten – der perfekte Gesprächspartner, da er selbst 2020 in den Gemeindedienst wechselte.

Herr Mag. Mostler, können Sie sich unseren Lesern/innen kurz vorstellen?

Nach Beendigung meiner schulischen Laufbahn (Volksschule Puchenau, Stiftsgymnasium Kremsmünster und BORG Bad Leonfelden) und Absolvierung des Präsenzdienstes in Freistadt habe ich die Johannes-Kepler-Universität Linz besucht und das Studium der Rechtswissenschaften erfolgreich abgelegt. Neben dem Studium konnte ich schon juristische Erfahrungen als Angestellter (Teilzeit) bei Dr. Langbauer (Notar in Traun) sammeln. Nach Absolvierung des Gerichtsjahres in Linz war Notar Dr. Fellinger Notar in Unterweißenbach meine erste Dienststelle. Nach rund zwei Jahren wechselte ich zur Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG in die Rechtsabteilung. Dort habe ich in weiterer Folge die Funktion des Syndikus übernehmen dürfen und habe schließlich die Abteilung Datenschutz und Outsourcing geleitet. Darüber hinaus wurde ich nicht nur für die Raiffeisenlandesbank OÖ AG, sondern auch für sämtliche Raiffeisenbanken Oberösterreichs zum Datenschutzbeauftragten bestellt.

Im Frühling 2020 habe ich mich dazu entschlossen, mich auf die ausgeschriebene Stelle als Stadtamtsleiter in meiner Heimatgemeinde Bad Leonfelden zu bewerben und konnte mit September 2020 die Stelle antreten.

Was hat Sie an der Aufgabe der Amtsleitung angesprochen, was machte für Sie der Wechsel in eine Gemeindeverwaltung interessant und lohnenswert?

Ich bin – auch wenn ich ein sogenannter „Zuagroaster“, also Zugezogener bin, - sehr heimatverbunden. Seit nunmehr 28 Jahren, die ich in Bad Leonfelden wohne, ist dieser Ort meine Heimat und die Heimat meiner Familie. Ich habe es spannend und interessant gefunden, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die man kennt und sie auf ihren jeweiligen Lebenswegen zu begleiten. Jeder einzelne hat früher oder später mit der Gemeinde zu tun, sei es eine anstehende Hochzeit, ein Todesfall, ein Bauansuchen oder sonstige Anliegen. Egal, ob diese Anliegen in den eigenen Augen große oder kleine Probleme darstellen, steht am Ende immer ein Sachverhalt, der für jemanden wichtig ist. Mein Gedanke war, etwas für den Ort zu tun und gestalten zu können, auch wenn man nicht als politischer Entscheidungsträger tätig wird. Ich wollte und will gestalten - nicht verwalten. Meine persönlichen Fähigkeiten für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen war sicher eine Hauptantriebsfeder. Ein wohl eher idealistischer Gedanke.

Erwartungen vs. Realität – wie sieht Ihr Fazit und Ihre bisherige Learnings aus der Aufgabe aus?

Landläufig herrscht ja noch immer das Klischee des typischen Beamten, der auch einmal unter der Woche am Nachmittag frei hat und streng nach Vorschrift Dienst verrichtet. Dieses Klischee kann ich nicht bestätigen und mir wird das mit jedem Tag mehr bewusst. Wenn man in dem Ort arbeitet, in dem man auch wohnt und auch in der (Halb-)Öffentlichkeit steht, gibt es laufend Gegebenheiten, dass man auf der Straße, beim Essengehen oder Einkaufen mit Situationen, Anregungen und Beschwerden konfrontiert wird. Als Amtsleiter, der sich aktiv für den Ort einbringen will, kann und will man hier nicht sagen, dass man eigentlich frei hat. Dies habe ich erwartet und dem ist auch so. Genau diese Interaktion auch außerhalb der Amtsräumlichkeiten ist für mich aber das Befruchtende und Befriedigende an dieser Arbeit.

Auch das Aufgabenspektrum, das in einer Gemeinde anfällt, ist derart umfangreich, wie ich es eigentlich nicht angenommen habe. Es kommen sämtliche Anliegen vom überfüllten Mistkübel am Hauptplatz, über Gestattungsverträge, Personalangelegenheiten uvm. auf einen zu. Die Pandemie und jetzt der Krieg in der Ukraine mit all seinen Ausprägungen haben nicht zu einem „entspannten“ Einstieg beigetragen. Diese Abwechslung der Themen ist aber auch ein Grund, der diese Aufgabe spannend und attraktiv macht.

Nichtsdestotrotz wurde eines bestätigt: Auch in der Verwaltung kann gestaltet werden und es ist unglaublich befriedigend, oft pragmatisch helfen zu können.

Inwieweit kann eine Gemeinde von Mitarbeiter/innen profitieren, die frisch in den Gemeindedienst einsteigen?

Seit meiner Einstellung wurden in unserer Verwaltung mehrere Mitarbeiter/innen neu eingestellt. Der Vorteil ist, das gewisse Dinge, die man als gegeben annimmt, mit anderen Augen sieht. Es wird viel hinterfragt und manchmal merkt man erst durch diese Gespräche, dass eigentlich keiner weiß, wieso interne Abläufe so sind, wie sie sind, so gemacht werden, wie sie gemacht werden, aber manchmal auch ein sinnloses Relikt sind. Auch ein gewisser „wirtschaftlicher Blick“ von Mitarbeitern/innen aus der Privatwirtschaft auf Abläufe und der Vergleich zu Abläufen in der Privatwirtschaft schadet nie. Verwaltung muss immer flexibler werden und auch die Verfahren müssen straff durchgezogen werden. Da schadet ein neuer Blick nicht.

Worauf sollten/können Gemeinde bei der Einarbeitung von Mitarbeitern/innen achten, die aus der Privatwirtschaft kommen? Welche Unterstützungen sind in den ersten Monaten beim Onboarding aus Ihrer Sicht sinnvoll? Welche Fehler sind zu vermeiden?

Wichtig ist eine eingehende und länger begleitete Einarbeitungszeit. Dies war bei mir nicht ganz so optimal, da viel zu kurz. Wichtig dabei ist nicht nur der formelle Ablauf von Verfahren, sondern auch die Gespräche miteinander, da Sachverhalte oft viele Jahre zurückreichen, oft nicht ausreichend dokumentiert sind und auch Hintergrundzusammenhänge und rein menschliche Aspekte mitschwingen.

Worauf sollte eine Gemeinde achten, um als attraktiver Arbeitgeber für Personen aus der Privatwirtschaft wahrgenommen zu werden?

Wichtiger als man denkt ist der gemeinsame Außenauftritt. In einem Ort spricht sich schnell herum, wie das Klima in der Gemeindeverwaltung ist. Gibt man hier ein schlechtes Bild ab, wird man auch als Arbeitgeber unattraktiv. Neben diesen „Softskills“ zählt natürlich die Bezahlung eine ausschlaggebende Rolle. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf beim Gesetzgeber. In Zeiten, in denen man über Arbeitskräftemangel klagt, ist es nicht verwunderlich, dass Personen lieber in der Privatwirtschaft anfangen, da man dort erheblich mehr verdient. Da zählt auch das Argument des Arbeitsplatzes im Ort nur mehr wenig. Die Leute sind mobil und auch die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wird immer besser – das ist kein Argument mehr. Meiner Erfahrung nach darf man auch den Einfluss des persönlichen Gespräches nicht unterschätzen. Man wird verbindlicher, wenn man sich sehr rasch mit Bewerbern/innen zusammensetzt. Dann kann man viel gewinnen. Das Problem ist eher, überhaupt Bewerber/innen zu motivieren. 

Ihre Schlussworte – was möchten Sie den Lesern/innen noch sagen/mitteilen?

Ich kann jedem nur empfehlen, den Schritt - auch aus der Privatwirtschaft – zu wagen, insbesondere dann, wenn man einen gewissen Idealismus für die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung und Gesellschaft hat.

 

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Gemeindeverwaltung!

 

 
 
   

Mag. Simon Mostler
​​​​​​​Amtsleiter 

Gemeinde Bad Leonfelden
www.bad-leonfelden.ooe.gv.at​​​​​​​

 

Bildquellen
Shutterstock, Gemeinde Bad Leonfelden

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