Welche Möglichkeiten zur Vereinfachung bietet die neue VRV 2015? – Ein Überblick

Kommunalservice

Die Umsetzung der neuen Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung wird die Gemeinden in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen. Viel ist neu und ein gewisser Mehraufwand wird auch nach der ersten Umstellungsphase bleiben. Um den Mehraufwand gering zu halten, bietet die VRV 2015 einige Möglichkeiten zur Vereinfachung

Mit der Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung 2015 (kurz VRV 2015) kommt es zu einer umfassenden Änderung des Rechnungswesens von Gemeinden. Durch die Einführung des Vermögenshaushalts werden nicht nur bei der Eröffnungsbilanz, sondern auch beim jährlichen Rechnungsabschluss zusätzliche Arbeitsschritte durchzuführen sein. Viele dieser Abschlussarbeiten kommen auch bei bilanzierenden Unternehmen vor (z.B. Inventur der Vorräte, Bewertung von Forderungen etc), jedoch bestehen erhebliche Unterschiede. Die VRV 2015 enthält ein eigenständiges Regelwerk zu Ansatz, Bewertung und Ausweis, das teilweise erheblich vom Unternehmensgesetzbuch (UGB) abweicht. Die Anwendung der UGB-Regeln würde daher zu einem falschen Rechnungsabschluss führen.

Besondere Regeln enthält die VRV 2015 auch in Bezug auf mögliche Vereinfachungen. Kurzfristig sind dabei die Wahlrechte und Vereinfachungen für die Erstellung der Eröffnungsbilanz von Bedeutung. Diese betreffen im Wesentlichen die Bewertung von Grundstücken, Gebäuden und Grundstückseinrichtungen (insbesondere Infrastrukturanlagen wie z.B. Straßen und Kanalanlagen). Weiters besteht eine Erleichterung hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung von vollständigen Anlagen- und Inventarverzeichnissen. Keine echte Vereinfachung, aber im Einzelfall trotzdem hilfreich ist die einfache Möglichkeit der Korrektur von Fehlern bzw die Änderung von Schätzungen innerhalb von fünf Jahren nach Veröffentlichung der Eröffnungsbilanz.

Die VRV 2015 bietet aber auch langfristig einige Möglichkeiten zur Vereinfachung. Die Gemeinden sollten sich mit diesen Möglichkeiten bereits vor der Erstellung der Eröffnungsbilanz beschäftigen, da bereits in der Eröffnungsbilanz die entsprechenden Schritte gesetzt werden sollten.

Die in der VRV 2015 enthaltenen Vereinfachungen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Einerseits jene, die innerhalb bestimmter Wertgrenzen angewendet werden können und andererseits allgemeine Vereinfachungsmöglichkeiten, die unabhängig von Wertgrenzen angewendet werden können.

Wertmäßig begrenzte Vereinfachungen gibt es für folgende Positionen des Vermögenshaushalts:

  • Forderungen
    Forderungen sind grundsätzlich mit ihrem Nominalwert (Rückzahlungsbetrag) zu bewerten. Langfristige, unverzinste Forderungen sind mit ihrem Barwert im Vermögenshaushalt anzusetzen. Diese Abzinsung der langfristigen Forderung kann unterbleiben, wenn der Wert der Forderung EUR 10.000,00 nicht übersteigt.

  • Vorräte
    Vorräte sind im Vermögenshaushalt zu erfassen und jährlich zum 31. Dezember mit den Wiederbeschaffungskosten oder den niedrigeren Anschaffungs- und Herstellungskosten zu bewerten. Diese Erfassung und Bewertung kann für Vorratspositionen unterbleiben, deren Wert EUR 5.000,00 nicht übersteigt. Für derartige Vorratspositionen kann somit eine Inventur und Bewertung unterbleiben. Der Begriff „Vorratsposition“ wird von der VRV 2015 nicht näher definiert. Hier besteht somit ein Gestaltungsspielraum.

  • Rückstellungen
    Die Passivierung von Rückstellungen ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Rückstellung für ausstehende Rechnungen müssen nur dann gebildet werden, wenn die einzelne ausstehende Rechnung zumindest EUR 5.000,00 beträgt.
    Sonstige langfristige Rückstellungen müssen nur gebildet werden, wenn ihr Wert mindestens EUR 10.000,00 beträgt.


In die Gruppe der allgemeinen Vereinfachungsmöglichkeiten fallen folgende Regelungen:

  • Zusammenfassung von Gegenständen
    Vermögensgegenstände sind grundsätzlich einzeln zu erfassen. Dies be-deutet, dass bspw die Einrichtung einer Schulklasse mit all ihren einzelnen Gegenständen, wie den einzelnen Sessel und Tischen, die Tafel etc zu erfassen sind. Vereinfachend können aber Gegenstände mit gleichartiger Nutzungsdauer zu Sachanlagen zusammengefasst werden. Dies hat den Vorteil, dass – um bei dem Beispiel einer Schulklasse zu bleiben – alle Sessel und Tische zusammen als Vermögensgegenstand „Schulmöbel“ erfasst, abgeschrieben und bewertet werden können. Andere typische Beispiele für die Zusammenfassung zu einem Vermögensgegenstand sind der PC samt Monitor und Eingabegeräten oder eine Teeküche samt den eingebauten Geräten.

  • Pauschale Einzelwertberichtigung
    Sind Forderungen (teilweise) uneinbringlich sind diese wertzuberichtigen, damit im Vermögenshaushalt nur jene Forderungen ausgewiesen werden, mit deren Begleichung zu rechnen ist. Vereinfachend können Forderungen unter bestimmten Voraussetzungen zu Risikogruppen zusammengefasst werden und anschließend die Gruppe der Forderungen einheitlich pauschal bewertet werden.

  • Ansatz von Festwerten
    Für bewegliche Vermögenswerte (hierzu zählen auch Vorräte) können nach der VRV 2015 vereinfachend mit einem Festwert im Vermögenshaushalt angesetzt werden. Die Vereinfachung besteht darin, dass beim Ansatz von Festwerten keine jährliche Inventur und Bewertung vorzunehmen ist. Im Vermögenshaushalt wird beim Festwertverfahren ein gleichbleibender Wert angesetzt. Eine jährliche Abschreibung hat zu unterbleiben und die jährlichen Zugänge sind nicht zu aktivieren, sondern unmittelbar als Aufwand im Ergebnishaushalt zu erfassen. Mögliche Anwendungsbereiche von Festwerten sind bspw die Ausstattung von Schulklassen, die Bestuhlung eines Veranstaltungssaales, der Heizölvorrat der Gemeinde oder im Bereich der Straßenverwaltung das lagernde Streusalz der Gemeinde.

  • Rückstellungen für Haftungen
    Für übernommene Haftungen, mit deren Inanspruchnahme mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist, sind Rückstellungen zu passivieren. Hierbei kann unter bestimmten Voraussetzungen vereinfachend eine Zusammenfassung von gleichartigen Haftungen zu einer Risikogruppe erfolgen.

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