Steueroptimierung bei Sportanlagen – darauf sollten Gemeinden achten

Kommunalservice

Sportanlagen sind wichtige Einrichtungen in Gemeinden. Sie unterstützen die Gesundheit der Gemeindebürger, bieten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und fördern die Gemeinschaft. Damit es bei Errichtung und Betrieb solcher Anlagen nicht zu unliebsamen steuerlichen Überraschungen kommt, informiert Mag. Wolfgang Lindinger von der Steuerberatungskanzlei LeitnerLeitner aus Linz über Möglichkeiten zur steuerlichen Optimierung

Steueroptimierung bei Sportanlagen

Das Gebot der wirtschaftlichen, sparsamen und zweckmäßigen Verwaltung verpflichtet die Gemeinden, bei Errichtung und Betrieb von Sportanlagen alle Möglichkeiten zur steuerlichen Optimierung zu berücksichtigen.

Die steuerlich optimale Umsetzung hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab:   

  • Wer trägt die Investitionskosten? zB Gemeinde, Land, Sportverein, Sportverband, privater Betreiber
  • Wer ist für den Betrieb (laufende Kosten, Aufsicht, Verwaltung, …) verantwortlich? zB Gemeinde, Verein, privater Betreiber
  • Wer nutzt die Anlage? zB Einzelpersonen, Vereine, Schulen
  • Müssen die Sportler für die Benutzung ein Entgelt leisten?
  • Gibt es andere Möglichkeiten zur Einnahmenerzielung?
  • usw.

Nachfolgend werden einige Möglichkeiten zur steuerlichen Gestaltung skizziert. Die Entscheidung, welche Variante am besten geeignet ist, muss aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls getroffen werden. Dabei spielen natürlich nicht nur steuerliche Gründe, sondern auch wirtschaftliche, technische, organisatorische und gesellschaftspolitische Gesichtspunkte eine Rolle.

1. Vermietung an einen Sportverein

Beispiel: Die Gemeinde vermietet einen Fußballplatz mit Fußballrasen, Toren, Flutlichtanlage und Wechselkabinen an einen Sportverein zur ausschließlichen Nutzung durch diesen. Der Sportverein unterhält die Sportanlage (Rasenpflege, usw) und nutzt sie für den Spielbetrieb.

Der Fußballplatz wird hier „passiv“ einem Verein, der die Anlage in der Folge betreibt, zur Nutzung überlassen.

Die Gemeinde begründet damit keinen Betrieb gewerblicher Art gem. § 2 KStG. Die Vermietung kann jedoch umsatzsteuerlich relevant sein, wenn das Entgelt sowohl die Betriebskosten als auch ein Entgelt für den Gebrauch der Sportanlage in Höhe einer jährlichen AfA-Komponente enthält. Erfüllt das Entgelt diese Voraussetzung, so ist es wie folgt aufzuteilen:

  • Ein Teil des Entgelts entfällt auf die Grundstücksvermietung und ist unecht steuerbefreit. Die Gemeinde kann nur dann zur Steuerpflicht optieren, wenn der Mieter die Sportanlage selbst nahezu ausschließlich für steuerpflichtige Umsätze nutzt (Ausnahmen gelten für Anlagen, die vor 1.9.2012 errichtet wurden). Da dies auf einen Sportverein in der Regel nicht zutrifft, ist eine Option zur Steuerpflicht regelmäßig ausgeschlossen.
  • Ein Teil des Entgelts entfällt auf die Betriebsvorrichtungen und ist umsatzsteuerpflichtig.

Der Gemeinde steht ein Vorsteuerabzug aus den Investitionskosten nur insoweit zu, als das Entgelt steuerpflichtig ist. Der Vorsteuerabzug wird also in der Regel auf die Betriebsvorrichtungen eingeschränkt sein. Wenn das an den Verein verrechnete Entgelt die oben angeführte Höhe nicht erreicht, unterliegt das Entgelt zur Gänze nicht der Umsatzsteuer und steht folglich kein Vorsteuerabzug zu.

2. Eigenbetrieb

Beispiel: Die Gemeinde errichtet eine Squashanlage und betreibt sie selbst. Spieler können die Squashboxen gegen Entgelt benutzen. Eine

Mitarbeiterin der Gemeinde kümmert sich um die Buchungen, beaufsichtigt die Anlage während der Öffnungszeiten, reinigt die Squashboxen, WC/Dusche und Umkleide und führt einen kleinen Shop, in dem Bälle, Schläger udgl verkauft werden.

Die Gemeinde begründet damit einen Betrieb gewerblicher Art iSd KStG, für den sie eine Gewinnermittlung zu führen hat. Gewinne unterliegen der Körperschaftsteuer.

Umsatzsteuerlich liegt hier keine Grundstücksvermietung vor, weil der Leistungsgegenstand darin besteht, die Sportanlage zu benutzen. Es handelt sich um eine einheitliche und steuerpflichtige Leistung.

Die Gemeinde kann aus den Investitionskosten und den laufenden Kosten den Vorsteuerabzug vornehmen.

3. Überlassung eines eingerichteten Sportanlagenbetriebs

Beispiel: Die Gemeinde errichtet eine Tennisanlage mit Freiplätzen und Tennishalle samt Gasthaus. Die gesamte Anlage mit vollständiger Einrichtung wird an einen privaten Betreiber verpachtet, der das Gasthaus führt und die Tennisplätze entgeltlich an Sportvereine und Einzelpersonen vermietet. Die laufende Unterhaltung und Verwaltung der Anlage liegt beim Pächter.

Die Sportanlage würde bei Selbstführung durch die Gemeinde einen Betrieb gewerblicher Art iSd KStG begründen. Die Gemeinde überlässt dem Pächter einen eingerichteten Betrieb mit allen wesentlichen Betriebsgrundlagen (Liegenschaft, Tennisplätze, Tennishalle, Gasthaus, Einrichtung). Wird die Höhe des Pachtentgelts so festgelegt, dass die Gemeinde damit eine einnahmenerzielende Tätigkeit begründet, liegt ein so genannter „Überlassungs-BgA“ vor. Für diesen Überlassungs-BgA hat die Gemeinde eine Gewinnermittlung zu führen. Gewinne unterliegen der Körperschaftsteuer.

Die Überlassung eines Betriebes gewerblicher Art ist nach Auffassung der Finanzverwaltung als umsatzsteuerpflichtige Verpachtung zu qualifizieren. Das Pachtentgelt unterliegt somit der Umsatzsteuer, der Gemeinde steht der Vorsteuerabzug aus den gesamten Investitionskosten zu. Würde man das Entgelt in eine Grundstückskomponente und Betriebsvorrichtungskomponente aufteilen (siehe oben Punkt 1), so könnte die Gemeinde das Pachtentgelt in der Regel ebenfalls zur Gänze umsatzsteuerpflichtig behandeln, da der private Betreiber regelmäßig ausschließlich steuerpflichtige Umsätze ausführt.

Empfehlung für die Umsetzung

Damit die Gemeinde die für ihre Sportanlage optimale Gestaltung entwickeln und umsetzen kann, müssen die steuerlichen Überlegungen frühzeitig in das Projekt einfließen. Idealerweise sollte das schon bei Vorgesprächen und Verhandlungen mit Vereinen, Betreibern oder Fördergeber geschehen. Wenn die ersten Baurechnungen einlangen, ist es für Gestaltungsmaßnahmen meist schon zu spät.

Mag. Wolfgang Lindinger
Steuerberater
Director bei LeitnerLeitner, Linz

 

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