Gesellige Veranstaltungen: Was steuerlich zu beachten ist!

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Die Sommerfeste sind vorüber, doch die Ballsaison steht vor der Tür. Was zu beachten ist, damit die Veranstaltung auch steuerlich ein Erfolg wird, hat Mag. Wolfgang Lindinger von LeitnerLeitner für Sie zusammengefasst.

Gesellige Veranstaltungen werden steuerlich begünstigt. Jedoch variieren sowohl die Begünstigungen als auch die Voraussetzungen dafür je nach Veranstalter.

Gesellige Veranstaltungen von Körperschaften öffentlichen Rechts(z.B. Gemeinde, Feuerwehr, Pfarre) sind von der Umsatzsteuer und der Körperschaftsteuer, der Einzelaufzeichnungs-, Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht befreit, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:  

  • Es wird ein Eintritt eingehoben (Eintritt gegen freiwillige Spende genügt).
  • Die erzielten Erträge müssen nach außen hin erkennbar und nachweislich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden (z.B. Hinweis auf den Plakaten „zur Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs“).
  • Die maximale Dauer von Veranstaltungen eines Kalenderjahres umfasst 72 (Nachweis des Stundenausmaßes durch einen Bescheid oder die Anzeige der Veranstaltung bei der zuständigen Behörde möglich).
  • Unabhängig von der Rechtsstruktur ist die Gesamtdauer für jede territoriale Untergliederung (z.B. Bezirksebene, Gemeindeebene) gesondert zu bemessen. Die kleinste mögliche territoriale Gliederung ist die Katastralgemeinde.

Gesellige Veranstaltungen eines gemeinnützigen Vereins sind körperschaftsteuerpflichtig, jedoch dürfen nach der Verwaltungspraxis neben den tatsächlichen Betriebsausgaben auch fiktive Betriebsausgaben abgesetzt werden. Weiters steht dem Verein ein Freibetrag von EUR 10.000,00 pro Jahr zu. Die Veranstaltungen sind von der Umsatzsteuer befreit, ebenso sind sie von der Aufzeichnungs-, Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht befreit. Vorausgesetzt, es werden folgende Regelungen eingehalten (Stichwort: „kleines Vereinsfest“):  

  • Die Organisation und Durchführung der geselligen Veranstaltung erfolgt im Wesentlichen durch die Mitglieder des gemeinnützigen Rechtsträgers oder deren Angehörige.
  • Die Mitarbeit fremder Dritter ist zulässig, wenn diese unentgeltlich erfolgt. Ein reiner Kostenersatz und eine übliche Verköstigung von mitarbeitenden Mitgliedern und Nichtmitgliedern beim Vereinsfest stellen kein Entgelt dar.
  • Die Veranstaltungen dürfen insgesamt eine Dauer von 72 Stunden im Jahr (bisher 48 Stunden) nicht überschreiten.
  • Auftritte von Musik oder andern Künstlergruppen sind dann unschädlich, wenn diese für Unterhaltungsdarbietungen höchstens EUR 1.000,00 pro Stunde erhalten.
  • Die Verpflegung mit Speisen und Getränken darf zur Gänze oder teilweise an einen Wirt übertragen werden. Dieser Bereich fällt bei der Übertragung an einen Wirt aus der geselligen Veranstaltung heraus. 

Auch gesellige Veranstaltungen von politischen Parteien und nahestehenden Organisationen sind steuerlich begünstigt. Sie sind von der Umsatzsteuer und der Körperschaftsteuer, der Einzelaufzeichnungs-, Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht befreit, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die für gemeinnützige Vereine geltenden Voraussetzungen (siehe oben) müssen eingehalten werden.
  • Die Erträge müssen nach außen hin erkennbar und nachweislich entweder für gemeinnützige Zwecke oder für Zwecke der politischen Partei verwendet werden (z.B. Verwendung für Wahlwerbung).
  • Der Jahresumsatz ist mit EUR 15.000,00 beschränkt.
  • Für die Dauer (72 Stunden) und die Umsatzgrenze (EUR 15.000,00) ist auf die territoriale Gliederung abzustellen (z.B. Bezirksebene, Gemeindeebene), auch wenn diese rechtlich unselbständig ist. Die kleinste mögliche territoriale Gliederung ist die Katastralgemeinde. Für schon bestehende weitere Untergliederungen gibt es Übergangsvorschriften. 

Wenn mehrere Organisationen gemeinsam eine Veranstaltung durchführen (z.B. zwei gemeinnützige Vereine; ein Verein und eine Freiwillige Feuer-wehr; ein Verein und eine politische Partei; eine Gemeinde und eine Pfarre), so ist für die zeitliche Begrenzung von 72 Stunden für jeden Beteiligten die gesamte Stundenzahl der Veranstaltung zu berücksichtigen. Die Umsatzgrenze (EUR 15.000,00) kann von jeder Körperschaft ungeteilt ausgeschöpft werden. Eine Umsatzaufteilungsregelung ist anhand der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen. Die jeweils anzuwendenden Voraussetzungen sind auf Ebene der jeweiligen Organisation zu prüfen. 

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