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Der Arbeitsweg

Von Laura Thürauer, MA | 03.09.2018
TRESCON inside | Candidate Journey

Pendeln in der Realität - Was es wirklich heißt, jeden Tag weite Strecken zurück zu legen und warum so viele Österreicher es tun.

Pendeln steht für die Hälfte aller Erwerbstätigen Österreicher an der Tagesordnung. Der Arbeitsplatz liegt somit für den Großteil außerhalb der Wohngemeinde und führt 93% alljener täglich in andere Gemeinden, Städte, Bundesländer oder sogar ins Ausland. Und trotzdem heißt es nach wie vor: Österreicher leiden an mangelnder Mobilitätsbereitschaft!

Österreicher/innen fühlen sich im Vergleich zu vielen Bewohnern aus Nachbarstaaten sehr heimatverbunden und wechseln den Wohnort nur sehr ungern. Ist ja auch irgendwie verständlich, bei so einem schönen Land. Doch stellt gerade diese Verbundenheit uns Personalisten und Personalberater vor eine große Herausforderung. Denn so heißt es von Kandidaten/innen immer öfter: Umzug? Nein; Pendeln? bis maximal 100 km.
Der besagte 100km Radius verringert sich sogar noch einmal drastisch, wenn Kandidaten/innen in einem Ballungszentrum oder nahe dran leben. Da sollte der maximale Arbeitsweg nur bis in die Innenstadt führen. 

Nun liegt es ja für viele Österreicher/innen nahe, in welche Stadt sie pendeln wollen. Jede/r hat seine persönliche Präferenz, die nach außen bzw. für Unternehmen auf den ersten Blick oft gar nicht ersichtlich ist. Genau das dachte sich auch TRESCON als sie mich vor über einem Jahr kontaktierten.
Mit „wohnhaft in St.Pölten“ und „Studium in Niederösterreich“ liegt die Vermutung nahe, eher nach Wien als nach Linz pendeln zu wollen. Schließlich pendeln knapp 200.000 Menschen täglich von Niederösterreich nach Wien. Doch nach den ersten Gesprächen wurde schnell klar, TRESCON und der Standort in Linz haben für mich eine stärkere Anziehungskraft als die Bundeshauptstadt.

Mit dem Vertrag in der Tasche, ging es daran die nächste wichtige Frage zu klären: wie überwinde ich täglich 130 km pro Richtung? „In Linz steht du in der Früh mit dem Auto nur im Stau“, erklärten mir meine künftigen Kolleginnen bei einem ersten Kennenlernen. 

Als absolute „Nicht-Pendlerin“ und verwöhnt mit St.Pöltner Stau-Gegebenheiten, wurde ich in Oberösterreich rasch eines besseren belehrt und stellte nach kurzer Zeit selbst fest: „In Linz kann man weder in der Früh, noch Mittags, noch Nachmittags oder Abends mit dem Auto fahren“. Stop-and-go und täglich verstopfte Stadteinfahrten trüben den Fahrspaß ungemein.
Somit stieg ich auf die Bahn um und gab damit mein Freiheitsgefühl und das Gefühl der Unabhängigkeit und Flexibilität auf – dachte ich zumindest. 

Nach nur wenigen Tagen stellte ich überrascht fest – Zug fahren ist komfortabler als man sich denkt. Ein überdachter Parkplatz direkt am Bahnhof, trockenen Fußes bis zum  Bahnsteig, gemütliche Sitze im Zug, Zeit zu lesen, lernen, arbeiten, vorbereiten oder zu entspannen. Ausstieg nach nur 42 Minuten Fahrt direkt im Linzer Zentrum. Von dort aus sind es nur noch wenige Meter bis ins Büro.
Nicht nur, dass ich entspannter und fitter im Büro ankam, auch bei der Heimreise ist es mir möglich im wahrsten Sinne des Wortes, Distanz zwischen mich und meine Arbeit zu bringen.
Das Freiheitsgefühl ist also noch stärker vorhanden, denn ich bin flotter und meine Hände und mein Kopf sind frei für viele andere Tätigkeiten. Von wegen unflexibel – mittlerweile fährt alle 20 Minuten ein Zug von Landeshauptstadt zu Landeshauptstadt und bringt mich rascher ans Ziel als jedes noch so moderne Auto. 

Lässt man sich all das so durch den Kopf gehen, klingt es nicht schlimm täglich 260km und drei Stunden auf Reisen zu sein, doch versetzt man sich in diese Lage, wird schnell klar: Irgendwas kommt auf Dauer zu kurz! Egal ob Sport, Freunde, der Einkauf oder der ganz normale Alltag – die verpendelte Zeit fehlt unterm Strich.

Warum ich trotzdem munter weiter pendle? Weil die gebotenen Chancen und das wahnsinnig spannende Aufgabengebiet, die tollen Kollegen/innen sowie das vorhandene Know-how so vieles aufwiegen. Mittlerweile sind auch der RailJet und ich Freunde geworden, auch wenn er sich hin und wieder zu unserem Date verspätet.
Verlässt man die eigene Komfortzone und sei es nur den eigenen Radius, steigt die persönliche Lernkurve rasch an. Und da Pendeln für 50% der arbeitenden Österreicher/innen ohnehin an der Tagesordnung steht, müssen Sie als Unternehmen nur mehr attraktiv genug sein, um den längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen.

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